Es kann nur einen geben! – Ein Wolf wird zum Highlander
Dieser Artikel erscheint mit etwa einem Monat Verspätung, was aber daran liegt, dass über 1.700 Fotos erstmal gesichtet, sortiert und vor Allem hochgeladen werden mussten…
Kleine Anmerkung, ich habe teilweise noch Zusatzinfos unter die Bilder gelegt, also Cursor drüber halten und die werden sichtbar. Aber nicht immer…
Vor einiger Zeit hatten mich einige Rückschläge immer wieder zu Boden geworfen, so dass ich kurz davor war, das Handtuch zu werfen (und zwar endgültig).
Und wie das so ist, irgendwann kommt doch noch ein Zeichen, der berühmte Silberstreif am Horizont. Dieses Mal in Form von 4 richtigen bei Super6, Yay, 666 Euro. Natürlich kamen die Gedanken, was man nun damit macht, ich habe mich für die einzig richtige Idee entschieden und das erste Mal seit über zehn Jahren wieder einen richtigen Urlaub gemacht. Und wohin fährt ein Wolf, der sich eher für Geschichte interessiert als für Sonne, Strand und Meer? Richtig, ab auf die Insel und hoch nach Schottland.
Tag 1 – Die Anreise
Sonntag um 12 ging es los, die erste Etappe führte mich nach Dunkerque von wo aus ich mit der Fähre übersetzen wollte. Der Plan war um 16uhr auf dem Schiff zu sein, was aber nicht ganz geklappt hat, also hieß es 2 Stunden warten und um 18 Uhr übersetzen. Das war auch kein Problem, nur leider geriet mein Zeitplan dadurch etwas durcheinander, nicht das letzte Mal in dieser Woche übrigens, aber dazu später mehr. Eigentlich wollte ich von Dover aus in Richtung Stonehenge aufbrechen und dort auf einem Campingplatz übernachten. Was aber durch die Verspätung nicht mehr geklappt hat, die Rezeption war leider schon zu, also habe ich die erste Nacht in Großbritannien in einem kleinen Hotel verbracht. Dies und auch ein absolut mieser Umrechnungskurs auf der Fähre (der fast schon an Straßenraub erinnert) sollten sich später noch sehr negativ auf meine Urlaubskasse auswirken.


Tag 2 – Ein Wolf als Fanboy – Die Doctor Who Tour
Der zweite Tag verlief dann erstaunlicher Weise genau wie geplant, wenn auch für die meisten meine Streckenwahl und die einzelnen Haltepunkte wohl eher unverständlich sein dürften. Hier war ich doch froh alleine unterwegs gewesen zu sein.
Die erste Etappe war, wie könnte es anders sein, Stonehenge. Nachdem ich das Modell des monuments für meinen Großvater als Geburtstagsgeschenkverpackung gebaut hatte, wollte ich natürlich das Original sehen.
Da ich auch noch nur 7 Meilen davon entfernt übernachtet hatte kam mir auch gleich eine großartige Idee: Sonnenaufgang über Stonehenge, wie eindrucksvoll das doch sein muss…
Um 6 Uhr morgens brach ich also auf um dieses Ereignis zu erleben.
Nun muss man hierzu allerdings einige Fakten beachten, die mir vorher nicht bewusst waren:
1. Stonehenge ist nicht ganz so, nun wie sage ich es, imposant wie man es von den meisten Fotos erwartet.
2. Stonehenge steht da zwar schon seit Jahrtausenden, allerdings gibt es Öffnungszeiten. Vor 9 Uhr kommt man gar nicht auf den Parkplatz und entsprechend auch nicht zu den Steinen.
Tatsächlich ist Stonehenge nicht annähernd so groß wie man denkt, man kann sich den Steinkreis im Grunde in jeden Garten stellen, weshalb ich froh bin nicht nur dafür nach England gefahren zu sein.
Der Vollständigkeit halber aber ein paar Bilder:


Nach der Pflicht kam die Kür des Tages, der Besuch so vieler Drehorte der Serie „Doctor Who“ wie nur möglich. Dank vorheriger Recherche und meiner Navi-App funktionierte das sogar erstaunlich gut und ich kam in Cardiff (wo die Serie, ebenso wie ihr Spinoff „Torchwood“ gedreht wird, viel herum. Leider konnte ich nur nicht an DER Kreuzung aus „Turn left“ anhalten, hier war zu viel verkehr, aber immerhin konnte ich links abbiegen, und möglicherweise die Welt damit retten
Die erste Station war Wester Drumlin, oder zumindest das Haus, dass in der großartigen Episode „blink“ so hieß. Das Haus hat durchaus einen gewissen Gruselfaktor und man hatte öfter den Eindruck, dass einer der Weeping Angels in einem der Fenster stand

Die nächste Station war das Haus von Craig in „The Lodger“. Serienkenner werden sofort bemerken, dass die 2. Etage zurück ist und sofort entsprechende Schlüsse ziehen

Direkt auf der anderen Straßenseite ist die Wiese auf der der Doctor Craig beim Fußballspiel etwas blass hat aussehen lassen.

Wenn ich schon in Cardiff bin ist klar, dass ich auch die Torchwood-Zentrale besuchen muss.
Leider hat der Lift an der Chrom-Säule nicht funktioniert…

Aber, was ist das? Hat hier etwa jemand einen Nebeneingang geöffnet???

“The Face of Boe, they called me…”

Aber auch sonst ist Cardiff wirklich sehr interessant.




Und als Beweis, dass ich tatsächlich hier war:

Man sieht evtl, dass ich noch etwas angeschlagen war, von den Wochen zuvor. Wartet einfach ab
Oh ein American Diner.

Der ist natürlich kein zufälliger Ort wo ich mir etwas zu Essen hole, sondern ebenfalls ein anvisierter Punkt, haben sich doch hier der Doctor, Amy, Rory und River in “The impossible Doctor” getroffen. Und so habe ich mich schnell auf den gleichen Platz gesetzt und (das ist keine Übertreibung!!!) den besten Burger meines bisherigen Lebens gegessen. ich wollte aber nicht als Fanboy gelten, habe also die Fotos eher versteckt gemacht, daher leider die schlechte Qualität.

Sorry für die vielen Insider-Jokes aber… „Don´t touch the Baby!!!!!!!“

Und damit verließ ich Cardiff City, aber ich war noch nicht am Ende, denn nun kam ein wirklich fantastischer Ort, den ich ohne den Doctor vermutlich nie gefunden hätte. Llandaff (ja das schreibt man wirklich so) ein kleiner Vorort von Cardiff, der in der Folge „The 11th hour“ als Leadworth, dem Wohnort von Amelia Pond herhalten musste. Aber, und dazu gleich, er kam noch in einer weiteren Episode vor.
Hier gab es in der Folge einen Ententeich ohne Enten.

Die Wiese auf der der Doctor sich den Atraxi entgegenstellte:

Über diesem Gebäude schwebte das große Auge:

Llandaff ist erstmal ein wirklich hübsches kleines Städtchen mit netten Häusern und es ist auch wirklich super ruhig, aber eine Besonderheit ist die Kathedrale. Ja, Llandaff hat tatsächlich einen eigenen Dom. Und hier öffnete sich mein Herz das erste Mal, und nicht nur weil in der Vincent van Gogh-Folge, Vincent genau hier saß um die Kirche zu malen:

Der Dom ist insgesamt schon sehr beeindruckend:


Aber als ich das Foto mit den beiden Bäumen schos musste ich mich einmal umdrehen und sah:

Wer mich kennt, der weiß, dass ich so etwas einfach erforschen muss. Also ging ich über die Brücke und kam in einen Bereich des Domgartens, in dem ich alleine war. Nun, alleine ist nicht ganz richtig. Ich kam auf einen Friedhof, einen Friedhof, der seit Jahrhunderten nicht mehr genutzt wurde und den die Natur zurückerobert hat.



Das mag für manche eher unheimlich oder seltsam wirken, aber das folgende Bild, ist für mich ein Inbegriff von Schönheit. Wobei ich den Begriff “Schön” in dieser Woche noch mehrmals neu definieren musste.

Hier hätte ich Stunden zubringen können, aber ich hatte noch ein ganzes Stück zu fahren und so verließ ich Llandaff, das erste Mal in diesem Urlaub mit einem breiten Grinsen und einem Pfeifen auf den Lippen. Mein nächstes Ziel: Skenfrith. Nie gehört? Nicht verwunderlich, denn Skenfrith als verschlafenes Nest zu bezeichnen, wäre noch DIE Übertreibung des Jahrhundert. Der Ort verfügt besteht aus etwa 150m Straße, 6 Häusern, einer kleinen Kirche und einer Burgruine.
Was treibt mich gerade dorthin, Mitten in die nordwalisische Provinz? Na was wohl, der Doctor natürlich
Skenfrith ist klein, aber ist bekannt geworden als Upper Leadworth in der Folge „Amy´s Choice“
Wichtig und ein zentraler Punkt der Folge war die Burgruine in der böse Alienrentner eine Gruppe von spielenden Kindern in Staub verwandelt haben um ihre Lebensenergie für sich zu haben. Ich merke gerade, wie albern manche Inhaltsangaben von DW-Folgen klingen, aber die Folge war wirklich gut

Nun könnte man fragen “Was machen den bitte spielende Kinder in einer Burgruine?” und ich gebe zu, ich fand das beim Schauen der Episode ebenfalls sehr merkwürdig. Fakt ist aber, als ich in der Burg war um Fotos zu machen, war es sehr mühsam zu knipsen, ohne dass ständig spielende Kinder ins Bild kamen. Die Burg IST tatsächlich ein beliebter Treffpunkt für Familien um hier zu grillen und zu spielen!


Von hier aus wollte ich eigentlich nur noch nach Warwick und mir dort das Castle anzusehen. Leider hat mich die Parkplatzsituation dort aber so angestrengt, dass ich nur noch abgedampft bin, daher nur ein kleines Bild aus dem Auto.

Von hier aus ging es dann zum ersten Campingplatz. Durch starken Wind wurde das Aufbauen des Zelts zwar erheblich erschwert, aber mit der Hilfe von anderen Campern ging das dann doch noch ganz gut, so dass um 20 Uhr Schlafenszeit war.
Tag 3 – Ein Umweg führt mich zum Ziel
Der Plan für Dienstag sah eigentlich wie folgt aus:
Mit dem Auto über die Autobahn nach Carlisle fahren, von da mit dem Bus zum Hadrianswall und dann zu einem Campingplatz an der Südspitze Schottlands.
Aber wie das so ist mit Plänen… Von diesem Moment an war meine gesamte Route, die ich vorher exakt ausgearbeitet habe für den Hund – zum Glück.
Doch der Reihe nach.
Das Zelt war morgens schnell abgebaut und um 9 Uhr war ich bereits wieder unterwegs. Die M6, die Autobahn die nach Schottland führt war schnell erreicht und ich kam auch, bis auf einen Stau in Birmingham sehr gut voran.
In Höhe von Lancaster hatte ich eine Idee, die für den Rest des Urlaubs erhebliche Auswirkungen haben sollte, was mir aber noch nicht bewusst war.
Rechts der Autobahn erhob sich plötzlich ein Hügel, der wirklich schön aussah, also dachte ich mir, dass es doch eine gute Idee wäre mal bei der nächsten Ausfahrt abzufahren und ein paar Fotos zu machen.

Auf der Landstraße ergab sich, dass ich erstmal nicht drehen konnte und ein Stück weiter geradeaus musste und mich von der M6 entfernte. Ein Schild zeigte plötzlich mehrere Castles an und ich dachte mir „Hey, du hast ein gutes Zeitpolster eingebaut und wenn du schon hier bist, kannst du auch mal ein paar Burgen gucken gehen.“ Und so fuhr ich ein Stück weiter.
Zunächst kam ich zu Sizergh Castle

Die Eintrittspreise schreckten mich dann aber doch etwas ab und ich folgte den Schildern in Richtung einer weiteren Burg.
Witzigerweise habe ich die Andere Burg nie gefunden, die Landschaft wurde aber immer eindrucksvoller.


Und nun geschah etwas interessantes. Mein Navi sprang vom nervigen „Bitte wenden!“ zu einem „Fahren Sie geradeaus weiter!“ was ich dann natürlich auch tat.
So führte mich mein Weg vorbei an hübschen Häusern


zum Lake Windermere und somit, was ich hier noch nicht nicht wusste, in den Lake District in Cumbria.



Als mein sprechender Wegweiser mich in eine kleine Seitenstraße lotste, wollte ich erst widersprechen, habe mich dann aber, zum Glück, gefügt.
Die Straße wurde, zumindest ein wenig, breiter und wieder gab es einiges zu sehen.


Womit ich nicht gerechnet hatte: Nach einer kleinen Ortschaft gab es eine Linkskurve und plötzlich öffnete sich vor mir ein Tal, das mir schlicht den Atem stocken ließ. Hier erhielt der Begriff „Schön“ eine neuerliche Definitionsanpassung. Ich habe, und das ist keine Übertreibung, alle 5 Minuten anhalten müssen um Fotos zu schießen und mehr als einmal stand ich einfach nur da, mit Tränen in den Augen weil ich es einfach nicht fassen konnte…















Die düsteren Gedanken der vorherigen Wochen waren verflogen und so bestand meine Nachricht nach Hause nur aus 3 Worten: „I am alive!!!“
Als schließlich das Schild „Welcome to Scotland“ kam, wusste ich, ich hatte zumindest eine sehr wichtige Etappe erreicht. Nicht nur was den Urlaub anging, sondern auch in Bezug auf mein ganzes Leben.
Und wieder gab es ein Schild zu einem Castle, dass ich dieses Mal auch fand. Caerlaverock.

Hier traf ich eine weitere Entscheidung, die meine weitere Reise erheblich beeinflussen sollte, und zu der ich auch nur jedem anderen raten kann. Ich kaufte mir den Explorer Pass. Für 35 Pfund erhielt ich somit für 7 Tage freien Eintritt in alle historic Sites in Schottland. Und nicht nur das, ich bekam außerdem eine Karte auf der diese eingezeichnet waren, wodurch ich meine Fahrt mit 5 Stationen auf 17 und eine komplett andere und bessere Route verändert habe.
Doch zunächst noch mal zu Caerlaverock. Die Burg ist von vorne noch fast vollständig erhalten, im Inneren sieht es aber doch schon anders aus.
Beeindruckend ist die Burg aber auf jeden Fall.





Was mir hier zum ersten Mal auffiel, ist die Tatsache wie viel Mühe sich Schottland macht, die Geschichte aufzubereiten und zu präsentieren. Werden, so vorhanden, alte Burgruinen hierzulande mehr oder weniger sich selbst überlassen, oder aber restauriert, geht man dort einen anderen Weg. Man baut nicht wieder auf, man lässt aber auch nicht verfallen. Stattdessen wird der Status Quo beibehalten und für die Nachwelt konserviert. Die Präsentation ist sehr ansprechend, mit Graphiken und Schildern. Das Beste aber ist, was in Deutschland undenkbar wäre: Das Gras betreten, oder auch in verwinkelte Ecken der Burgen verschwinden ist hier absolut erwünscht. Nur wo es gefährlich wäre ist kein Zugang erlaubt. Und das Alles ohne Überwachung durch Ordner, die einen zwingen auf festen Routen zu bleiben. Man darf, und soll (!!) alles für sich selbst entdecken. Ein fantastischer Ansatz, über den ich mich bei uns auch sehr freuen würde.
Es war noch recht früh, trotz des Umwegs und so machte ich mich auf zur nächsten Station, der offiziell ersten meiner Reise: Sweetheart Abbey.
Das Kloster ist bereits vor Jahrhunderten zerstört worden, es stehen im Grunde nur noch die Außenmauern und Säulengänge, aber der Anblick und das Gefühl sich hier aufzuhalten ist unbeschreiblich.
Die Kombination von roten Sandsteinsäulen und dem perfekten Gras im Inneren ist unbeschreiblich schön (Oh, da ist das Wort ja schon wieder ^^).









Was meine Gefühlswelt anging. Ich denke dieses Bild sagt mehr als tausend Worte:

Und so ging es zum nächsten Campingplatz.
Meine Stimmung wurde nur kurz getrübt als ich von den Riots in London erfuhr, die an diesem Tage auch Birmingham erreicht hatten, die Stadt die ich mittags noch durchquert hatte. Nun war auch klar, dass ich den geplanten Trip nach London an meinem letzten Tag auf der Insel nicht würde durchführen können, aber Sicherheit geht einfach vor.
Ein kurzer Einschub zum Thema Gras muss hier mal gemacht werden. Also, Gras im Sinne von Rasen. Was einfach seltsam ist: Das Gras auf der Insel ist wirklich grüner als bei uns, woran es liegt keine Ahnung, aber deutsche Wiesen sehen regelrecht langweilig aus, nachdem man in Großbritannien war.
Und was den typischen englischen Rasen angeht: Hier gibt es irgendwie ein Missverständnis zwischen uns Kontinentaleuropäern und den Leuten von der Insel. Unsere Vorstellung ist, dass englischer Rasen perfekt ist, akkurat geschnitten, kein Unkraut und am Besten ist jeder Grashalm absolut aufrecht ausgerichtet. Tatsächlich besteht der Rasen aber zu gerade mal 10% aus Gras, der Rest ist de Facto Moos. Und ich glaube genau das macht den Anblick auch so interessant, man hat das Gefühl über einen grünen Teppich zu laufen.
Nun aber zurück zur Reise, denn es folgte natürlich
Tag 4 – Ruinen, Inseln und Berge im Wasser
Der Plan: Dundrennan Abbey und dann durchfahren bis Fort William
Dundrennan Abbey, vom System her ähnlich wie Sweetheart Abbey, nur aus grauem Stein erbaut. So kam ich morgens um 9 Uhr auf dem Parkplatz an und es regnete. In Strömen.
Meine Begeisterung hielt sich entsprechend in Grenzen, zumal ich zu früh war, geöffnet wurde die Ruine doch erst um halb zehn. Um 09:28 Uhr brach der Himmel auf und der Regen hörte auf. Tja, wenn Engel reisen
Dundrennan gehört zu den Orten, die eher selten besucht werden, liegt die Abtei doch etwas abseits. Dies und das schlechte Wetter waren dann wohl auch der Grund warum mich der Steward (so heißen die angestellten, die die Eintrittskarten verteilen und einem auch gern ein paar Infos zur Site geben) mich mit den Worten „You are king! To come out here with this weather“ begrüßte und ich die Ruine für mich alleine hatte.









Nun sollte es ja eigentlich auf direktem Wegen nach Fort William gehen, aber ich entschied mich diesen Plan über Bord zu werfen, hatte ich doch durch die Vermeidung Londons einen Tag gewonnen. Diesen wollte ich nutzen auf dem Weg nach FW einige andere Sites zu besuchen.
Der nächste Punkt auf der Karte war Threave Castle, eine Burg auf einer Insel, die laut Beschreibung „Nur mit einer Fähre“ zu besuchen ist. Gut, eine kleine Schiffahrt, dagegen habe ich ja nix, also ging es los.
Die erste Überraschung erlebte ich als ich mich, statt an der Küste oder einem See plötzlich auf einem Bauernhof fand. Mein Navi sagte „Sie sind da“ also stieg ich aus, und tatsächlich gab es ein Schild für einen Fußweg, dem ich dann auch folgte, von einer Burg oder einem Gewässer war allerdings keine Spur

Nach etwa einem Kilometer Fußweg schließlich tauchte tatsächlich die Burg zur linken Seite auf, und ja da ist auch Wasser.

Schließlich sah ich auch die Fähre:

Jupp, das ist sie. Man geht zum Steg, läutet eine Glocke und der Steward kommt mit dem Boot von der Insel und holt einen ab.
Die Burg besteht fast ausschließlich (wie bei schottischen Burgen meistens) nur noch aus dem Hauptturm der tatsächlich auf einer Insel in einem Fluss steht.







Nach der Tour durch die Burg ging ich zurück zum „Hafen“, wurde wieder übergesetzt und machte mich auf den Weg zur nächsten Station.
Cardoness Castle
Wiederum nur noch der Hauptturm, mit einigen Anbauten. Hier allerdings waren die Keller auch noch zu besichtigen und man konnte, so man wollte bis fast hoch aufs Dach.







Und wieder ging es weiter, zur Glenluce Abbey. Wieder nur in Ruinen und erheblich kleiner als Sweetheart und Dundrennan. Hier wurde allerdings der Kreuzgang zum Teil restauriert, damit man eine bessere Vorstellung der damaligen Optik hat.





Sehr sympathisch fand ich übrigens das Schild am Steward-Büro: „Ich bin nicht da, gehen Sie einfach rein!“ Leider blieb mir hierdurch etwas verwehrt, was ich beim Explorer-Pass noch nicht erwähnt habe. Man bekommt einen tatsächlichen Pass und jede Site hat einen speziell angefertigten Stempel, den man sich dann geben lassen kann. Diesen Stempel konnte ich entsprechend nicht sammeln L
Weiter ging es mit absichtlichen Umwegen, statt direkt gen Norden zu düsen, ging es erstmal weiter nach Westen und dann an der Küste entlang. Was dann kam, war wirklich unerwartet. Man fährt die Küste entlang, schaut aufs Meer hinaus und da ist dann plötzlich…

Darf ich vorstellen? Craig. Ja der Berg im Meer heißt tatsächlich Craig und ist ein absolut irrealer Anblick, von dem ich mich kaum lösen konnte.



Aber auch sonst war die Küste wirklich sehr eindrucksvoll.


Eine letzte Station vor dem Campingplatz konne ich dann noch kurz einschieben und entschied mich für Crossraguel Abbey. Wiederum eingefallen, aber architektonisch sehr interessant, ist die abtei doch vom Aufbau her eine Mischung aus Mittelalter und Gothik. Man hat teilweise wirklich eher das Gefühl durch eine Burg zu laufen, inklusive Wehrmauer und Bergfried. Die Kirche selbst dagegen hat eher gothische Einflüsse.














Tag 5 – Hohe Burgen, viele Berge – Willkommen in den Highlands
Nach der Übernachtung auf dem Campingplatz musste ich ja wieder Stempel sammeln, also ging es zu Dumdonald Castle.
Die Burg ist allerdings etwas „langweiliger“, gibt es doch nur eine Zwischenetage, man kommt nicht aufs Dach und auch sonst ist nicht soo viel zu sehen. Vielleicht machte sich aber auch bemerkbar, dass ich schon so viele Burgen besichtigt hatte.



Hier gab es also nur einen kurzen Zwischenstopp und weiter ging es zu Newark Castle. Oder sollte es zumindest gehen, tatsächlich lotste mich mein Navi in eine Vorortsiedlung wo alles war aber keine Burg. Wie sich herausstellte ist das wohl ein bekanntes Problem und betrifft google-basierte Navigationssysteme. Also fuhr ich weiter in Richtung Dumbarton Castle.
Als plötzlich in einem Kreisverkehr ein Schild nach Newark auftauchte. Tatsächlich, da war die Burg, noch mal Schwein gehabt.
Eine sehr fortschrittliche Burg, hier gab es fließendes Wasser, man musste sich damals die Hände waschen, bevor es etwas zu Essen gab und, Skandal, die Wendeltreppen gingen in die andere Richtung.





Und dann also doch, aber zu Dumbarton.
Wie soll man diese Burg beschrieben…? Man stelle sich einen sehr großen Klumpen Stein vor, der in der Mitte auseinandergebrochen ist. Da drauf setze man nun eine Burg, die DER Rückzugsort für die Zombie-Apokalypse ist. Mit mehreren Zwischenwänden und einer schmalen Schlucht, zwischen den beiden Hälften des Felsens, die der einzige Zugang ist. Und da oben drauf setze man nun also Gebäude und umbaue das ganze noch mit einer massiven Steinmauer. Diese Burg wurde niemals eingenommen, ist noch gut erhalten und war zwischenzeitlich ein Gefängnis in dem Maria Stuart eingekerkert war. Klingt wie Helms Klamm? Dumbarton ist wohl der Ort, der dem tatsächlich am ehesten entspricht.

















Und nun war es endlich soweit, zunächst entlang des Loch Lomond kam ich in das eigentliche Ziel meiner Reise, die schottischen Highlands.


Und nun wurde es verrückt. Was mir bei der Fahrt durch den Lake District schon einmal passiert ist, geschah wieder. Ich musste anhalten, wieder und wieder und wieder, nur um Fotos zu machen und nichts zu verpassen. Die Landschaft änderte sich von Minute zu Minute und die Berge schienen als wollten sie angeben, wie abwechslungsreich ihre Form doch sein kann.








Und dann kam Glencoe.
Ein Tal, das einfach nur überwältigt. Durch seine Optik, durch seine Wirkung und durch die absolute Abgeschiedenheit und Einsamkeit. In 2 Stunden kam ich an ganzen 2 Häusern und einem Sessellift vorbei. Die Straße schlängelt sich durch das Tal mit kleinen Parkbuchten alle paar Kilometer und Wasserfällen die nicht weniger selten waren.







Und dann kam ER.
Der Gaer Aonach. Ich weiß nicht wie ich das Gefühl beschreiben soll, dass ich hier empfand. Ich fühlte mich plötzlich daheim und von diesem Berg magisch angezogen.

Es war bereits nach 6 Uhr abends und ich hatte noch 90km bis zu meinem Ziel, dem Campingplatz in Fort William, aber ich konnte nicht anders, ließ mein Auto stehen und lief los.
Über einen kleinen Trampelpfad kam ich ihm immer näher, musste eine steile Treppe hinab,

über eine kleine Brücke, die über einen Wasserfall führte


und schließlich eine Felswand hinauf, an der nur eine Bergsteigerschnur angebracht war.


aber all das konnte mich nicht aufhalten.
Was mich schließlich daran gehindert hat? Die Uhrzeit zum Einen, es wurde bald dunkel und heim gefunden hätte ich auf keinen Fall.
Zum Anderen, ein seltsames Gefühl, das mich nervös machte. Ich hatte das Gefühl vor Energie zu platzen. Mit jedem Schritt mit dem ich mich dem Aonach näherte wurde mir wärmer, meine Hände begannen heiß zu pulsieren, ich hatte das Gefühl, würde ich Papier berühren, würde es in Flammen aufgehen. So kehrte ich um, mit dem Versprechen zurück zu kehren und dann weiter zu gehen. Wie weit? Das weiß ich noch nicht, aber ich habe das Gefühl, dort wird sich etwas entscheiden.

Bereits nach 20 Minuten im Auto kam ein Schild zu einem Campingplatz, den ich nicht auf dem Plan hatte. Und so baute ich mein Zelt auf, direkt an einem Bergfluss, zwischen den Bergen.


Tag 6 – Von Wasser(fällen), Enttäuschungen und fehlenden Monstern
Der 6. Tag begann etwas melancholisch. Nicht nur, dass ich Glencoe würde verlassen müssen, ich hatte für diesen Tag auch nur 2 Ziele und von beiden wurde mir eigentlich abgeraten. Das erste Ziel des Tages war Eilean Donan Castle, die am häufigsten fotografierte Burg Schottlands. Hier wurde unter anderen Highlander gedreht. Außerdem liegt Eilean absolut abseits des Weges, so dass ich hier 50 km hin und den gleichen Weg wieder zurück fahren musste, was ich bislang immer vermeiden konnte. Aber watt mutt datt mutt.
Zunächst aber führte mich die Strecke noch ein Stück durch Glencoe und dann vorbei an vielen Lochs. Leider gab es nicht so viele Parkplätze, dass ich nicht so viele Fotos machen konnte wie zuvor.








Für mich werden die Highlands auch immer das Land der Wasserfälle sein.








Die Strecke war nach wie vor beeindruckend, aber längst nicht mehr so wie die des Vortages, auch wenn ich nicht sagen kann woran es lag.



Und schließlich kam ich zu Eilean Donan. Hier kam vieles zusammen, was mich einfach sehr störte. Waren die bisherigen Sites die ich besucht habe meist ein Hort der Stille und Einkehr, in denen ich mich alleine mit der Geschichte auseinandersetzen konnte, war Eilean Donan eine echte Touristenattraktion. Der riesige Parkplatz war völlig überfüllt, es dauerte zehn Minuten bis ich mein Auto endlich abstellen konnte. Es war laut, weil die Touristen sich lautstark darüber unterhielten wie eindrucksvoll das ganze doch sei, dabei gab es doch so viel mehr in dem Land zu entdecken. Und nicht zuletzt, dass Eilean nicht im Explorer Pass enthalten ist und man separat Eintritt zahlen musste, wenn man sich erst mal durch die 50m lange Schlange gekämpft hatte.
Ich habe mich jedenfalls entschieden die Burg nicht zu besuchen, sondern nur ein paar Fotos von außen zu machen.



Und so ging es wieder zurück, das nächste Ziel Urguhart Castle am Loch Ness. Hier erwartete mich ein ähnlicher Anblick, allerdings gab es wenigstens freien Eintritt. Der Reisebus deutscher Touristen die laut plappernd durch die Burg zogen und alles fotografierten was halbwegs schottisch wirkte um am Ende noch noch original schottische Souveniers zu kaufen, haben mir auch diesen Besuch verhagelt. Und zu allem Überdruss hat sich Nessie nicht einmal gezeigt.



Diesen Tag muss ich daher definitiv als Tiefpunkt der Reise ansehen, und so fuhr ich an Loch Ness entlang um nach Inverness und somit zu meinem Campingplatz zu kommen. Ich muss nicht betonen, dass ich in Inverness mitten in den Feierabendverkehr geriet und entsprechend lange im Stau stand oder?
Tag 7 – Celebrating the Centuries unter Geistern
Ein weiterer Vorteil der Verschiebungen meines Zeitplans war, dass ich nicht schon am Freitag, sondern erst am Samstag in Inverness ankam. Auf die Art konnte ich an Celebrating the Centuries teilnehmen, einer Show der schottischen Geschichte von der Römerzeit bis heute, mit Kostümen, Ausstellungen, Vorführungen und sogar einem Luftkampf zwischen einer Spitfire und einer Messerschmidt. Und so fuhr ich morgens früh direkt zu Fort George auf der, Inverness gegenüber liegenden Seite der Bucht. Dank Explorer Pass kostenlos und auch den Hinweis darauf habe ich nur der Brochüre zu verdanken. Der Tag war auf jeden Fall sehr interessant und das Wetter hat mir einen heftigen Sonnenbrand verpasst. Und gelernt hab ich auch einiges:
- Kanoniere aus dem 18. Jahrhundert konnten schneller nachladen als Musketiere.
- Schotten tragen im Krieg Röcke und rote Puschel an den Mützen
- Ginger Beer hat mit Ginger Ale nichts gemeinsam und ist wirklich scharf. Nichts zum Durst löschen also.
















Nach einem langen Tag in Fort George hatte ich natürlich noch ein paar Stationen eingeplant für den Tag, also ging es sofort los nach Elgin um die Elgin Cathedral zu besuchen. Wieder eine Ruine, dieses Mal aber wirklich groß, immerhin war das ein Dom und nicht nur eine kleine Abtei.
Dies stellte sich als eine der interessantesten Sites der Reise heraus, woran die Dame vom Steward-Office keinen unerheblichen Anteil hatte, mit der ich mich nach der Besichtigung noch sehr lang und interessant unterhalten habe.






Das achteckige Gebäude auf dem linken Bild ist übrigens das Chapter House und hier ist mir etwas passiert, was nur mit dem Energieschub am Gaer Aonach vergleichbar ist.
So saß ich also auf einer Bank, betrachtete die kunstvoll gearbeitete Decke

und lauschte den Mönchschoralen, die im Hintergrund liefen. Nach einer Weile hatte ich ein seltsam mulmiges Gefühl, ich sah tatsächlich Flammen um mich herum, die das ganze Chapter House füllten. Nach 10 Sekunden war der Spuk vorbei und alles war wieder normal. Das interessante war, nachdem ich die Besichtigung abgeschlossen hatte las ich wie immer die Infotafel (ich versuche immer das Ganze zunächst unvoreingenommen zu betrachten und hinterher Zusatzinformationen zu erhalten). Die Kathedrale wurde tatsächlich durch ein Feuer zerstört.
Nach der Besichtigung unterhielt ich mich, wie schon erwähnt mit der Stward (Ich glaube Stewardess ist hier nicht korrekt) und habe ihr das gegenüber erwähnt. Worauf sie nur meinte: „Hättest du das jemand Anderem hier erzählt, hätten die dich für blöd erklärt, ich bin da etwas offener. Außerdem, du bist der vierte in diesem Sommer, der mir genau das Gleiche erzählt hat.“ Das saß!
Im Gespräch stellte sich außerdem heraus, dass sie die erste war, die es geschafft hat länger als eine Saison in Spynie Castle durchzuhalten, weil es da spukt (sie hatte ein „Ich tu euch nix, ihr tut mir nix“ Agreement mit den Geistern und war 5 Jahre da) und Elgin Cathedral diesbezüglich (bis auf die Flammenvisionen) recht langweilig sei „Hier haben wir nur 2 und die lassen sich so gut wie nie blicken.“
Außerdem konnte ich, da ich der letzte und einzige Besucher um die Zeit war, noch ein paar Fragen loswerden und habe einige interessante Infos erhalten, die man sonst nicht unbedingt bekommt.
So ist es, wie ich vermutet hatte, tatsächlich so, dass die Stufen über die man in die Türme kommt, zu einem großen Teil aus alten Grabsteinen gefertigt sind. Wenn man von oben abwärts läuft sieht es aus perspektivischen Gründen übrigens so aus als würden die Schnitte verschwinden und der Text der Steine sich wieder zusammenfügen.
Überhaupt ist der Friedhof von Elgin sehr interessant, hier lohnt sich das intensivere Betrachten.
Was fällt bei den folgenden drei Grabsteinen auf?



Wem es nicht gleich auffällt, eine solch explizite Darstellung des Todes ist mir vorher noch nie untergekommen, hier findet sie sich auf fast jedem einzelnen Grabstein. Das hat natürlich meine Aufmerksamkeit erregt und ich hab dann einfach mal nachgefragt. Wie sich herausstellte ist dies tatsächlich eine Eigenschaft die man außerhalb von Elgin nur noch sehr selten findet, da der Friedhof hier sehr alt und noch gut erhalten ist, so dass man noch Grabsteine aus dem 17. Und 18. Jahrhundert findet.
Es handelt sich hierbei um eine Art Bildersprache, da in Nordschottland der Anteil an Analphabeten sehr hoch war (man findet diese Darstellung auch kaum in anderen Teilen der Welt). Der Totenschädel zeigt, dass jemand gestorben ist, das Skelett und auch der Sarg zeigen, dass hier eine Leiche liegt, die Sanduhr steht für „Seine Zeit ist abgelaufen“, die Glocke ist die Totenglocke. Häufig findet sich noch ein Totenschädel mit Flügeln, da man glaubte, dass die Seele im Kopf saß und damit zeigen wollte, dass die Seele in den Himmel geflogen ist. Außerdem findet man häufig noch eine Darstellung des Berufs, eine Hacke zum Beispiel zeigt an, dass es sich um einen Landwirten handelte. Überhaupt ist die Tätigkeit zu Lebzeiten immer auch auf den Grabsteinen angegeben.
Eine halbe Stunde nachdem Elgin geschlossen wurde, fuhr ich dann weiter die Küste entlang, mein Ziel: Stonehaven und das dort liegende Donnottar Castle. Dies ist zwar ebenfalls ein Touristenmagnet und nicht im Explorer-Pass enthalten, aber ich war ja eh sehr spät abends dort. Daher war es sehr ruhig, es gab nur ein paar andere Gäste und primär Fotografen.
Donnottar ist definitiv ein Must-See und von der Optik her einer der reizvollsten Punkte Schottlands.
Die Burg liegt auf einer einem roten Felsen inmitten einer Bucht, die Landschaft wirkt sehr hart und ruppig und es lohnt hier wirklich eine Weile zu verweilen.



Zur Burg führt ein kleiner Weg mit einer Brücke über einen Wasserfall



Das Licht für Fotos war zunächst wirklich nicht gut, es war schlicht schon zu dunkel. Aber plötzlich brach die Abendsonne durch und so gelangen mir doch noch ein paar „Postkartenmotive“





Von hier aus ging es dann stetig gen Süden, so dass ich die Nacht in der Nähe der Melrose Abbey verbrachte, meinem planmäßig letzten Punkt der Reise.
Tag 8 – Abschied von Schottland
Und so brach mein letzter Tag in Schottland an. Ich hatte zunächst überlegt mir Roslyn Chapel anzusehen (bekannt aus DaVinci Code) aber mir wurde abgeraten weil es so bekannt ist (aus DaVinci Code) und die Leute sich da gegenseitig auf die Füße treten (wegen DaVinci Code). Also fuhr ich stattdessen zur Melrose Abbey (wo übrigens niemand aus Beverly Hills 90210 herumläuft).









Melrose ist schon deshalb sehr interessant, weil die Abtei zu einem Teil noch sehr gut erhalten ist, ein anderer aber völlig zerstört ist. Auch die Detailarbeiten hier sind fantastisch. Hier waren absolute Meister ihres Fachs am Werk.
Von Melrose aus wollte ich eigentlich direkt in Richtung Dover aufbrechen, aber auf meiner Karte gab es noch einen Punkt direkt an der Grenze zu England.
Unterwegs kam ich an einigen Schildern zum Whiskey-Trail entlang. Die einzelnen Distillen sind tatsächlich ausgewiesen. Hier als beispiel Glen Grant.

Weitere Distillen auf dem Weg waren Glen Moray, Chivas, und *seufz* Glenfiddich, wo ich mich spätestens sehr geärgert habe nicht mehr Zeit und Geld zu haben um auch dort noch einzukehren.
Der Weg zu Hermitage Castle war sehr spaßig, hier lohnte es sich definitiv mit einem Roadster zu fahren, enge Kurven, viele Hügel und alles mit Tempo 100. Das hatte was von Achterbahn fahren und brachte richtig viel Spaß
Hermitag Castle ist ein echter Trumm. So massiv hab ich selten eine Burg gesehen. Und das große Tor in der Front? Das wäre groß genug um Kink Kong auf eine Tasse Tee einzuladen, der Witz ist aber: Das hat eine rein optische Funktion, dahinter befindet sich eine Mauer, es war niemals eine Tür oder ähnliches.

Das Innere ist vollständig zerstört, mit dem stetigen Regen der an dem Tag herunterkam konnte ich aber verstehen wieso das Castle im Prospekt als unheimlich bezeichnet wurde. Stetes Tropfen, viele Algen, die die Steine verfärbten, das schrie förmlich nach Geistern. Dass die Burg eine ausgesprochen blutige Vergangenheit hat, hilft hier nicht unbedingt weiter





Es gab auch noch einen kleinen Friedhof, sehr abseits gelegen, der Lord ist aufgrund seiner brutalen Regentschaft (die beendet wurde als er im knietiefen Hermitage River ertrank) sogar außerhalb der geweihten Erde vergraben. Auf dem Friedhof, dann fand ich folgendes und ich gebe zu, mir lief ein gehöriger Schauer den Rücken herunter.

Nach nur 20 Minuten Fahrt (die durch ein Schaf auf der Straße noch erheblich verlängert war) kam ein Schild „Willkommen in Cumbria, England“ und ich muss sagen, ich wurde wirklich traurig mich nicht mehr auf schottischem Boden zu befinden. Von da an gab ich nur noch Gas und fuhr die gesamte Strecke bis Dover in einem Rutsch durch, und übernachtete in unmittelbarer Nähe des Hafens.
Tag 9 – Ein Tag voll Sonne und Kreide – Abfahrt
Meine Fähre fuhr erst um 20 Uhr und somit hatte ich einen ganzen Tag Zeit, mich einfach nur auszuruhen. Nach durchschnittlich 300km Fahrt jeden Tag mal eine echte Abwechslung, und so tat ich was viele im Urlaub tun. Ich legte mich auf den Kreidefelsen in die Sonne, aß, trank und las ein gutes Buch.
Natürlich konnte ich nicht den ganzen Tag nur liegen, ich bin da nicht der Typ für und so ging ich dann doch mal ein bisschen auf Wanderschaft und machte Fotos.









Um 18 Uhr verließ ich die Felsen und fuhr hinab in den Hafen, wartete und verließ schweren Herzens die Insel.
Mein erster richtiger Urlaub seit über zehn war beendet und ein Traum hat sich erfüllt.
Was nehme ich mit?
- Schottland ist die fantastischste Gegend die ich kenne
- Die Menschen dort sind wunderbar freundlich
- Hier bin ich zu Hause, warum auch immer
- Ich bin definitiv nicht das letzte Mal hier gewesen!
- DAS LEBEN IST SCHÖN!!!!!
Lakritz und Schokolade sagte,
September 13, 2011 um 1:09 pm
Ach, lieber Wolf… ich danke dir sooo sehr, dass du dir diese viele Arbeit gemacht hast. Ich sitze hier heulend und schniefend vor Heimweh nach Schottland. Wie du, hab ich auch das Gefühl, dort daheim zu sein. Deine Fotos und Erzählungen sind wunderbar, mir ist das Herz aufgegangen und ich werde alle Bilder nochmal ganz in Ruhe ansehen.
Ich möchte auf jeden Fall nach Culloden, wenn ich es schaffe wieder “nach Hause” zu reisen. Und danke für die Info zu Eilian Donan, ich kannte es noch ganz ruhig und mit kaum Besuchern. Kann man also rauslassen. Und Glencoe… ja, so schön… *schnief* DANKE.
werbwolf sagte,
September 13, 2011 um 2:02 pm
Glaub mir, ich hab auch schniefend vor dem Rechner gesessen die letzten Tage wenn ich das ganze runtergetippt habe. Und dann schaut man aus dem Fenster und man ist… hier

Culloden bin ich nur dran vorbei gekommen, lohnt sich das also auch? Dann merk ich mir das für den nächsten Urlaub
Das nächste Mal werde ich auch 2 Wochen bleiben und mir für einzelne Orte sehr viel mehr Zeit nehmen, das war jetzt ja erstmal nur ein kleiner Überblick.
Und das mit Eilean ist wirklich sehr schade, aber ich kann wirklich nur davon abraten.
camper sagte,
September 18, 2011 um 10:54 pm
Großer, eine super Geschichte, ich (wir) durften es ja mit erleben, frage mich nur, ob “Die Beste Mutter” den Blog auch lesen sollte, vor allem auch deinen letzten Blog mit dem SIR. Denk drüber nach.
Geniesse die Erinnerung und schöpfe Kraft, es wird ein Wiedersehen geben. Daran glaubt der
Camper
Juliane sagte,
Oktober 16, 2011 um 12:56 pm
Hallo Scotty,
ich bin hin & weg von Deinem Reisebericht!
Tolle Fotos – thanks for sharing (wie der Schotte sagen würde?)!
Ich war mir nie ganz sicher, ob ich zuerst Südengland oder Schottland bereisen soll. Nun weiß ich es.
Was mir aufgefallen ist: man sieht fast nie Menschen auf den Fotos. Ist Schottland tatsächlich so “leer” oder hast Du jedesmal einen menschenleeren Augenblick abgewartet zum knipsen?
Außerdem geht es mir mir L&S:
Obwohl ich noch nie da war, bin ich sicher dorthin zu gehören.
Habe oft Sehnsucht nach dem Land (obwohl ich es nicht kenne) und Tränen in den Augen, wenn ich im TV Reiseberichte o.ä. darüber sehe.
Gruß,
Juliane
werbwolf sagte,
Oktober 19, 2011 um 2:52 pm
Hallo Juliane,
schön, dass dir der bericht gefallen hat
Und das Land ist tatsächlich relativ ruhig. ich habe allerdings auch die großen Touristenzentren und Großstädte gemieden. Eilean Donan und Urquhart waren da die Ausnahmen, hier war es tatsächlich ziemlich voll. Die meisten anderen Historic sites dagegen sind nicht so überlaufen um nicht zu sagen, sehr ruhig. Dies mag natürlich auch an der Zeit gelegen haben, da Anfang August wohl nicht wirklich urlaubssaison war. An den meisten Orten war ich tatsächlich alleine, oder ich hatte gerade mal ein halbes Dutzend Leute um mich herum (was bei einer Kirchenruine nicht wirklich als Menschenansammlung angesehen werden kann
)
Und auch für Glencoe gilt das Gleiche. Es gibt nur die eine Hauptstraße und keinen Ort im gesamten Tal. Es fahren alle 10-20 Sekunden mal Autos durch aber auch das verläuft sich wodurch es sehr still, ruhig und einsam ist (was ich aber genau brauchte).
Wie es in Städten wie Edinburgh abläuft weiß ich nicht, hier wird es aber erheblich anders sehen denke ich.
Ebenso in Roslyn das seit DaVinci Code absolut überlaufen ist.
Viele Grüße
Scotty
Anonymous sagte,
Januar 16, 2012 um 7:45 pm
unbekannterweise einen lieben Dank für die “Wahnsinnsbilder” und den Reisebericht. Für einen Schottland-Liebhaber ein wunderschönes “Eintauchen” in die Erinnerungen an meinen eigenen (leider bisher einzigen) Tripp nach und durch Schottland und auch bei mir ein leichtes “Schniefen” ob der geweckten Sehnsucht, baldmöglichst wieder mal in dieses wunderschöne Land zu kommen. Ich habe mir erlaubt, einen Link auf diese Seite in meinen Blog zu setzen, ich hoffe, das ist ok? ganz herzliche, dankbare Grüße
Spieler46 (der über Stöbern in Blogs, ausgehend von blogigo.de hier gelandet ist …. bestimmt nicht zum letzten Mal